Dies ist der 2. Teil DIESEN Beitrages, wo ich darüber schrieb, weshalb Bilder aus Filz eine Herausforderung sein können, wenn sie für Freunde oder gute Bekannte, ev. Familienmitglieder gefilzt werden sollen.
In Teil 1. zeigte ich außerdem die Schritte des Nassfilzens, hier kommt etwas Nacharbeit und das trockene Filzbild.
nachträgliche Trockenarbeit
Ich habe erst die Flächen rasiert, wo ich die Farben lebendiger haben wollte und wo garne eingefilzt wurden. Dadurch tritt auch dessen Struktur wieder mehr zum Vorschein.
Danach mussten die Locken aus der Fläche befreit werden. Dazu habe ich auf CorNit Filz TV ein Video. Hier arbeitete ich mit einer Hakenpinzette. Links von der Pinzette ist das «Gras» schon dreidimensionaler, als rechts von der Pinzette, wo es noch glatt eingefilzt ist.
Bügeln...wo?
Einmal bügelte ich die Flächen, die möglichst glatt sein sollten: den Himmel und das Kanu. Auf dem Wasser und am Rand des Filzes ist klar zu sehen, wie sich die Filzoberfläche kräuselt und wellt, wenn ein dickerer Filz ordentlich durchgewalkt wird. (Also nicht, weil es Nunofilz ist.) Diese Kräuselung minderte ich hier und da durch Bügeln, damit der kontrast zu den lockigen Bereichen und zum Wasser größer ist.
Außerdem zog ich die Ränder gerade indem ich sie dämpfte und mit einer Zange zog.
Das ist daraus geworden:
Was gefällt mir (nicht) daran?
Ich mag schon mal die Farben, dieses Rot-Grün-Blau sieht ganz gut aus und in echt sehen die Farben natürlich viel schöner und vielfältiger aus.
Die Komposition ist auch ganz ausgewogen und ruhig. Aber «meins» ist das nicht wirklich. Ich würde gerne auch meine Version filzen (s. Teil 1.), wenn ich Zeit hätte.
Und jetzt kommt, was mir aber wirklich gefällt, die Farben, Linien und Oberflächenstrukturen und dessen Aufeinandertreffen.
Die Vöglein sitzen auf einer glatten Filzfläche vo kardierter Wolle, darum herum sind gefärbte Wolllocken als Baumlaub.
Hier trifft das «Baumlaub» auf den flachen Himmel. Die Lockenspitzen habe ich absichtlich nicht aus der Fläche geholt, so verlaufen die roten Kringel flach in das glatte Blau.
Diese «Orangenhaut» entstand nicht, weil an einigen Stellen auch Stoffteile eingefilzt wurden, sondern durch das feste Walken des dicken Filzes.
Rechts unten wellt sich ein eingefilzter Stoff.
Im Bild darunter sieht man etwas Tüll.
Wasser trifft Rasen:
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Liebe Corinna, herzlichen Dank für diesen Beitrag. Ich mag Deine offene Art die Dinge zu benennen. Kundenaufträge finde ich auch manchmal schwierig – kann mich aber auch genügend in meine Kundinnen hineinversetzen, sie können es sich halt manchmal auch wirklich nicht vorstellen, wie unterschiedlich Filz aussehen kann. Oder dass ein bisschen eine andere Wolle ein ganz anderes Ergebnis produziert… Und da rede ich noch nicht von Geschmacksfragen… Liebe Grüsse, Stefanie.
So im Nachhinein wundert es mich eigentlich, dass sie gleich so ein Vertrauen in mich setzte, obwohl sie keine ähnliche Arbeit von mir sah, nur ganz andere Sachen. Sie wird das Bild bekommen und soll es aufhängen und nach einer Woche frage ich dann, ob sie damit mit ehrlicher Freude zusammen leben möchte. Wenn nämlich der kleinste Zweifel besteht, macht es keinen Sinn, das würde unsere Freundschaft belasten. Dann nehme ich es zurück. 🙂
Liebe Corinna, dein Wandbild ist sehr schön, besonders das WASSER! Da hast du verschiedene (Baumwoll-?) Stoffe auf der Oberfläche hineingefilzt, die Struktur mit den Wellen gefällt mir sehr
Das Wasser gefällt auch mir am Besten. 🙂
Ich legte zuerst Wellenlinien aus dickem Wollgarn, das über Farbübergänge verfügte und einige aus Leitergarn, welches aus dünnem schwarzen Garn besteht und dazwischen «Fensterchen» in Blau-Türkis hat.
Dann füllte die kleineren Flächen mit folgenden «Sachen», alle in unterschiedlichem Blau-Türkis:
– Tüllstoff mit aufgedrucktem Muster (was garnicht zu sehen ist 🙂 ),
– Polyesterstoff mit dünnen weißen Linien darin und eingewobenen kleinen Pailletten (die sieht man nur manchmal, wenn das Licht darauf fällt)
– Margilanseidenreste,
– Mullstoff,
– Seidenfasern,
– nur Wolle.
Das wurde dann komplett mit Wolle bedeckt.
Das kräuselte sich dann alles ein bisschen unterschiedlich während des Walkens.
Mir hat dein ursprünglicher Entwurf wesentlich besser gefallen, vor allem das zweite (untere) Bild ist richtig künstlerisch gestaltet. Wäre sicher interessant, auch dieses auszuarbeiten. Liebe Grüße Marianne
Die ursprünglichen Versionen würden womöglich auch Freundins Mann besser gefallen und das sagte ich ihr auch. Er ist nämlich so ein ganz «im Raster» denkender und arbeitender Ingenieur, er entwirft Detailpläne für Gebäudeabdichtungen, Fassadenverkleidungen und so, auf diesen Plänen sind Linien und unterschiedlich schraffierte oder mit Punkten und Wellen ausgefüllte Flächen.
Freundin meinte, das ist ihr jetzt egal, das Bild ist für sie.
Na, bitte… 😀
ohjeemineee, ich kenn solche Situationen auch sehr gut:
da nimmt man einen spezialauftrag an, weil man gut sein will und es eine Herausforderung ist, der man sich gern stellt.
und schon im Vorfeld zergrübelt man sich den kopf, wie das nur gehen könnte.
man überlegt, zeichnet, wälzt sich im bett…
gern schiebt man diesen auftrag dann auch vor sich her und filzt erst mal andere sachen, bei denen man weiß, wie sie gehen.
und dann kommt der tag, an dem man s endlich anpackt.
erster versuch: scheiße, das war nix.
zweiter versuch: auch nicht zufriedenstellend.
nun zupft und korrigiert man dran herum, um zu retten, was zu retten ist.
schließlich schickt man das Produkt unzufrieden und mit bauchschmerzen zur Kundin und hofft, dass sie sich nie wieder meldet…
schon am nächsten tag kommt ein ganz dickes lob.
die autraggeberin schreibt, dass es das schönste teil von der ganzen welt ist und sie sich so sehr darüber freut.
spätestens da möchte man vor scham im boden versinken.
also, ich hab mir geschworen, keine auftragsarbeiten mehr anzunehmen, bei denen ich schon vorher nicht weiß, wie man s eigentlich anstellen soll.
(und dann noch für freunde oder bekannte-das ist die königsdisziplin…)
liebe Corinna, lass Dir trotzdem gesagt sein: ich finde dein bild sehr gelungen.
ich denke, Du hast nur solche Schwierigkeiten, weil Du ja selber ganz andere geschmackliche Vorstellungen hattest und hast.
liebe grüße,
kristin
Danke, Kristin, ich musste so lachen…da waren einige bekannte Momente in deiner Beschreibung.
Das nächste mal bleibe ich bei meinen Vorstellungen und wenn das nicht sein soll, dann lasse ich es.
ja, ich denke auch, wir sollten uns nicht zu sehr verbiegen, das macht unzufrieden und Unwohlsein.
Genau. 🙂
Liebe Corinna. Ich war schon ganz gespannt auf Teil 2 der Wandbildbestellung. Ich finde die verschiedenen Oberflächenstrukturen toll. Ich kann mir gut vorstellen, dass im Original viele Details zu entdecken gibt. Es ist wunderbar, welche Effekte man aus der Wolle heraus kitzeln kann.
Aber wo sind die blonden, im Wind wehenden Haare? 😊
P.S. Deinen ersten Entwurf würde ich auch sehr gerne gefilzt sehen.
Liebe Grüße. Angelika
Ich überlege auch, ob ich die erste Version bei mir irgendwo aufhängen könnte, aber ich glaube, meine eigenen Bilderskizzen jucken mich mehr. Aber vielleicht lass ich da etwas von diesem einfließen.
und wo sind die blonden Locken? Ich hatte damit gerechnet, dass du die am Schluss frei fliegend aufnadelst oder zumindest aufstickst …
Schön geworden. Das Wasser gefällt mir am besten. Gratuliere, tolle Filzarbeit ^^
Das kann noch kommen mit den Locken aufnadeln…Wenn Freundin es so möchte, um fröhlich damit zu sein. Ich ducke mich dann aber. Ich war’s nicht… *augendrehen und pfeiffen*
Hallo Corinna,ich finde die Details sehr schön,d.h die verschiedenen Strukturen, das Wasser, die Wiese, die Baumkrone mit den Vögelchen, aber sonst spricht es mich nicht an. Ich kann mir vorstellen was dir nicht gefällt,aber du hast es ja auf Wunsch deiner Freundin so gestaltet.Hoffen wir, dass sie damit glücklich ist, wäre schade für deine Arbeit.
Ich habe noch selten Auftragsarbeit gemacht, ich finde es schwierig Wünsche von andern umzusetzen.
Danke für das Teilen deiner Erfahrung. Vielleicht probiere ich dann wirklich einmal ein Bild, leere Wände gibts in unserem umgebauten Haus genügend!
Lg Lucky
Was für eine Art von «Filzbild» hast du im Kopf, wenn du eins für dich machst?
Habe noch kein konkretes Bild,aber auf jeden Fall eher abstrakt.Ein Spiel mit Farben und Strukturen,evt. mit Naturmaterialien eingefilzt.Im Moment bin ich aber immer noch mit Renovierungsarbeiten beschäftigt.z.Z alte 200jährige Holzbalken putzen!Und in den nächsten zwei Wochen werden wir in unsere Wohnung einziehen d.h packen,packen ….auspacken,auspacken!!!!Und dann freue ich mich,endlich wieder Zeit zum filzen zu haben.
Endlichendlich! Ihr arbeitet schon so lange daran.
Du bist nicht nur eine tolle Filzerin, sondern auch ein toller Mensch, Corina. Deine Arbeit find ich toll. Auch das Ergebnis. Aber es geht mir gleich wie Dir. Deine abstrakten Sachen gefallen mir besser. Bin gespannt, wie die Geschichte ausgeht!
Lieber Gruss Maya
*rotwerd*
Ich schreibe es, wie es ausgeht. 🙂
Und zeige bald mehr abstraktes.
Liebe Corinna, das verfolgen deiner Arbeitschritte, welche du jeweils gut beschrieben hast, war interessant mit zu erleben, danke. Ich bewundere dich wir du so auf eine Auftragsarbeit eingehst, du hast deine Vorstellung da du grosses Wissen hast und der unwissende Kunde gibt Anweisungen 😉
Ich finde es sehr spannend wie sich die diversen Faser nach dem walken zeigen. Das Bild zeigt die Wünsche deines Kunden, ob es nun auch das ist, wo sie sich vorstellen ist noch ungewiss. Du gehst da aber sehr human damit um, Hut ab für deine ganze Arbeit welche du geleistest hast und das du es auch zurücknehmen wirst falls es nicht gefällt. Freundschaft ist sehr viel Wert und sollte nicht wegen einem Bild auseinander fallen. Diese EInstellung wäre mir genau so wichtig. Liebe Grüsse Heidi
Ich fand es sehr unsympathisch, als eine in bestimmten Kreisen bekannte Filzerin an mehreren Stellen selbst empört erzählte, dass sie einen Auftrag bekam und diesen auch annahm, obwohl sie nicht mal die Technik genau kannte. Dann erlernte sie schnell die Technik, machte den Auftrag und konnte es nicht fassen, als die Arbeit wegen Nitgefallen nicht angenommen wurde. Doofe Kundin hieß es…und das immer mal irgendwo erzählt. Obwohl sie doch sooo viel Arbeit und Zeit schon in das Experimentieren investierte…
Ich sah die fertige Arbeit…und hätte sie auch nicht genommen.
Dann kam ich zufällig drauf, was für ein Bild die Kundin der Filzerin sendete, was sie gerne gehabt hätte. – Den Auftrag hätte sie garnicht annehmen «dürfen».
Vor einer Woche hörte ich die Geschichte erneut, aber von einer anderen Filzbekannten, welche verriet, dass diese Filzerin erst sie angerufen hatte, wie man denn diese Technik macht, weil sie den Auftrag bekommen hatte und es lernen wollte. Die Bekannte riet sie ab und zeigte ihr aber auch die Technik, soll sie dann selbst damit klar kommen.
Also, neeee…es gibt Geschichten… *kopfschüttel*
Wenn ich selbst nicht im Stande bin am Anfang klar zu machen, was denn passieren soll, wenn der Auftrag nicht angenommen wird, ist es einzeln meine Schuld.
Liebe Corinna, vielen Dank für die ausführliche Beschreibung und den interessanten und vielfältig bebilderten Prozess, an dem Du uns so frei teilhaben läßt. Ich finde das Bild rundum gelungen und freue mich immer über Deine Beiträge. Läßt mein Gehirn rattern und einen selber nachdenken, was möglich ist und wie man selbst arbeitet. Vielen Dank uns wollige Grüße von Heike
Das freut mich, wenn es rattert… 🙂 Es hat mich einige Jahre gekostet vom Allesfilzenwollen bis zum Michinteressiertnurdas.
Ich finde das Bild sehr gut gelungen, mir gefallen besonders die Farbkontraste. Danke für´s Zeigen der verschiedenen Techniken.
Gerne. 🙂
Liebe Corinna, du hast eine tolle Arbeit geleistet, hauptsächlich das Wasser gefällt mir sehr gut. Mir persönlich wäre das ganze Rot zuviel. Aber jeder, wie er‘s mag.
Also spezielle Aufträge finde ich auch sehr anstrengend, schiebe dann auch gerne Dinge vor, die mir mehr liegen und die ich persönlich mag.
Vor zwei Jahren wurde ich gebeten, ein paar Elfenschuhe in Gr. 48 herzustellen. Meine Leisten gehen bis 46. Ich hab Blut und Wasser geschwitzt, aber der Herr war glücklich. Sie haben gepasst und leben noch.
Elfenschuhe Gr. 48… darf ich lachen? Das musste lustig ausgesehen haben. Noch mehr am Herren.