Filzen mit weniger Plastik – Alternativen

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1. Filzunterlage / Rollmaterial

Anstatt Noppenfolie oder IKEA Schubfacheinlage eignet sich sehr gut:

👉 ein Bambusrollo aus dem Baumarkt/Möbelgeschäft…Ich nutze sie als Unterlage und auch um darin zu rollen. Rutscht es auf dem Tisch, hilft es, wenn man ein nasses Handtuch darunter legt.

Bambusrollo als Filzunterlage
Filzunterlage Bambusrollo im Einsatz

👉 eine normale Tischfläche. Man braucht nicht unbedingt etwas noppiges, welliges drunter zu haben, ich filze prima auf dem Tisch oder auf einer Holzplatte, die nicht ganz glatt ist.
Als Filztisch kannst du z.B. einen einfachen Tisch bauen und anstatt einer Tischplatte einfach Latten nebeneinander fixieren. Funktioniert prima als Filzunterlage.

👉 ein textiles (Baumwoll)-Platzdeckchen, das mit dieser Rillenstruktur. Man kan auch mehrere zusammennähen. SUPER! Ich liebe sie, weil sie

– überflüssiges Wasser gut aufnehmen, dennoch

– genügend da lassen,

-diese Textur haben und

– nicht besonders auf dem Tisch rumrutschen.

Kugeln und Schnüre filze ausschließlich darauf!

Textiles Platzdeckchen zum Filzen zusammengerollt
Filzen auf einem Platzdeckchen

👉Bastmatte, die es als Meterware z.B. HIER gibt: 
Der Renner für größere Filze! Die geschnittenen Enden sollen etwas rolliert und mit dem selben Bast geheftet werden, damit sie nicht ausfransen und los geht’s: Auf den Tisch legen, benetzen, Wolle auslegen, aufrollen, abbinden und go! Natürlich kann man auch diese Matten zusammenheften.
Wenn du auch schneeweiße Filze machst, dann brauchst du dazu eine extra Matte, die du immer nur für die weiße Wolle verwendest, sonst hast du bunte Fasern hier und da im Schneeweiß. Bei bunten Filzen stört das aber garnicht.

Auf unteren Bildern ist zu sehen, dass meine Matte schon ausgefranst war, weil ich ohne zu Säumen schon einmal damit filzte. Ich trennte dann einfach zwei Reihen des Bastes ab, fädelte das Ende in eine Nähnadel und “rollierte” den Rand. Die Fransen lies ich dran.

Bastmatte Raffiamatte zum Filzen
Säumen der Bastmatte zum Filzen
Zurückgefalteter ausgefranster, gesäumter Rand

👉Einfach auf einem feuchten Handtuch filzen.

👉Alter Flächenfilz! In der Mongolei heißt der Filzteppich “Mutterfilz”, den man als Unterlage und zum Rollen von neuen Teppichen verwendet. Da dieser bereits fest gefilzt ist, filzt die ausgelegte Wolle nicht ein.

👉 Als Unterlage eignet sich auch sehr gut ein Stück alter Teppichboden/Auslegeware. Eine Lieblingsfilzunterlage der ungarischen Filzkünstlerin Bea Németh.  
Sowas hat man gelegentlich nach einer Renovierung, Umzug, oder der Nachbar hat sowas oder man fragt mal im örtlichen Auslegewarengeschäft nach unverkäuflich kleinen  Resten. (Hm, kann ja sein, dass die sowas garnicht haben, weil die nur größere verkaufen und es bleibt nichts übrig… *grübel*)

Auslegeware Teppich als Filzunterlage

👉 Plastikfrei ist es nicht, nachhaltig kann es schon sein, wenn man auf einer abgenutzen Automatte (Gummi oder diese stoffähnliche) filzt.
Die Kofferraummatten sind größer, als die Fußmatten und haben sogar einen aufstehenden Rand, was praktisch ist, wenn kein Wasser auf den Boden fließen darf.
Aber nicht extra kaufen, sondern bitte die verwenden, die man nicht mehr braucht!

Kofferraumeinlage als Filzunterlage

2. Schablonenmaterial zum Filzen

👉 Wellpappe, Pappkartons. Versuche unterschiedliche Sorten, die Experimente zeigen, welche schneller/mehr zermalmen beim Walken oder welche stabiler bleiben, wenn man sie nach etwas Walken faltet und durch eine kleinere Öffnung aus dem hohlen Vorfilz zieht.
Vielleicht hast du öfter eine Pizzabox o.ä. zuhause oder frage einfach in einem Geschäft in deiner Nähe.

Natürlich sind diese einmal verwendbar, aber das hat mich noch nie gestört, dass ich etwas vllt. noch einmal ausschneide.
Also nach dem Aufschneiden des halbfertigen Hohlfilzes wird die Pappe natürlich in mehreren Teilen herauskommen, aber ich hatte noch nie ein Problem damit sie rauszufummel. Sie geht nicht in tausend Teile auseinander, sondern reißt gelegentlich, aber in 2-3 Teilen krieg ich sie meist raus.

Hinweise zu Pappexperimenten:
– Kleiner Hohlfilz kommt mit dünnerer/weicherer Pappschablone aus.
– Durch eine wie große Öffnung muss die feuchte Pappe entfernt werden?
– Ganz dünner Hohlfilz braucht viel weniger Walken bis zum Aufschneiden, wird die Pappe in der Zeit weich genug um sie zu entfernen? (Wobei warmes Wasser kann man ja immer draufschütten und dann wartet man halt ein wenig, bis sie genügend aufweicht.)

👉 Abgetragene Jeans. Dieser Hinweis kam von einer lieben Filzkollegin und ich habe ihn auch probiert.
Die Jeansstücke sollen natürlich nicht allzu dünn und verschlissen sein, sonst filzt die Wolle ja ev. hier und da zwischen die Jeansfasern.

Steppe die Kanten ab, damit sie nicht ausfransen, so wirst du diese Schablone sogar öfter verwenden können.
Arbeitest du lieber mit dickeren Schablonen, lege zwei gleiche Teile auf einander, nähe sie entlang der Ränder zusammen, wende das Ganze durch eine kleine Öffnung in der Naht, nähe diese zu und Steppe noch etwas auf der Fläche, damit die Lagen nicht auf einander verrutschen. Nähe praktisch einen Topflappen. 🙂

👉 Habe ich noch nicht probiert, aber wenn man im “Mutterfilz” rollen kann, dürfte doch auch eine Schablone aus einem alten festen Filz geschnitten tauglich sein…Schreibe bitte unbedingt einen Kommentar, wenn du es probierst hast! 

3. "Fliegengitter", Gitterstoff

Den verwenden wir ja gerne, wenn die trockene Wolle benetzt, eingeseift und die Luft ausgeschmiegt werden soll.
Wichtig zu wissen ist, das gab es früher nicht und es geht auch sehr gut ohne, man braucht nur mehr Geduld haben!!! 
Das Problem ist ja, dass die Fasern an den Händen kleben bleiben und man sie von der Fläche hebt, wenn man auf der halbwegs durchgenässten Wolle rumtätschelt. Also bitte ruhiger tätscheln und die Hände immer langsam von der Fläche heben, dann klappt es auch ohne Gitterstoff.
Und wenn schon Gitterstoff, dann nimm eben einen alten Synthetik-Vorhang, damit kommt der nicht so schnell auf den Müll und du kannst flotter arbeiten.

Ich habe einen ganz dicht gewobenen ollen Vorhang, der bedient mich seit mehr als 10 Jahren. Er hat kein Muster und meine Hände gleiten dadurch angenehm in alle Richtungen.
Ist der Vorhang loser oder hat ein Muster oder man nimmt ein Fliegengitter, dann werden die Hände nicht so frei in alle Richtungen gleiten können. Sie erden immer ein wenig von der Struktur das “Gewebes” in bestimmte Richtungen geleitet. Um das klarer zu machen, was ich meine: Auf einem FliegenGITTER bewegen sich die Hände leicht in die vertikale und horizontale Richtung, aber möchte man auf der Oberfläche viel kreisen, wird es nach einiger Zeit unangenehm auf der Handfläche. Als würde man auf Schmirgelpapier rubbeln.
Aber natürlich kann man damit leben. Öööö….filzen.
Vergiss nur nicht den Gitterstoff rechtzeitig vorsichtig abzuziehen, es soll ja kein Fliegengitter-Nunofilz werden…

Hier unten siehst du meinen dicht gewobenen, alten, musterlosen Synthetikvorhang. Der obere ist mir unbequem zum Reiben.

 

filzen mit gitterstoff fliegengitter

Hinweis zum Kleiderfilzen

Meiner Erfahrung nach ist allerdings das Filzen von Kleidung am meisten von Plastik geprägt, da es dort wirklich praktisch ist mal Gummihandschuhe anzuziehen oder Malerfolie zum Abdecken der sehr feinen und dünn ausgelegten Wolle zu verwenden, wenn man diese nicht bald an den Händen haben möchte, jedoch gerne mit dem Reiben vorgehen wollte.
Glücklicherweise betrifft mich das selten und die 2 großen Malerfolien, die ich gelegentlich verwende, spüle und trockne ich immer ab und lagere sie gefaltet bis zum nächsten Mal.
Ist zwar nicht genau plastikfrei, aber das Neuverwenden von ausrangiertem Jackenfutterstoff geht auch. Da es synthetischer und dicht gewobener Stoff ist, filzt er nur schwierig ein und kann die Malerfolie ersetzen.

plastikfrei öko filzen Tipps und Alternativen

Teile diesen Beitrag damit wir je mehr FilzerInnen darauf aufmerksam machen können. 
Sammeln wir weitere Ideen in der Kommentarsektion unten. Was fällt dir dazu ein?

Fusselige Grüße & mottenfreie Wolle

Deine Corinna

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This Post Has 18 Comments

  1. Katharina

    Danke, für wieder einmal sinnvolle, nützliche Informationen.

    1. Nitschmann Corinna

      Sehr gerne, liebe Katharina. Ich hoffe, es kommen noch Infos dazu.

    2. Petra

      Vielen Dank für die absolut wertvollen Ideen und Anregungen.

      1. Nitschmann Corinna

        Ich ergänze, wenn etwas dazukommt.

  2. Sabine

    Danke Corinna für deine richtig guten Alternativen zum Plastik.

    1. Nitschmann Corinna

      LIebe Sabine, ich freue mich, wenn Erfahrungskommentare kommen, dann werden wir auch klüger. 🙂

  3. Ulrike

    Super Thema, danke, dass du es aufgreifst.
    Meine Erfahrungen mit Bambusrollos: Die Fäden, mit denen das Rollo zusammengehalten wird, also diese mehreren Bahnen, die nur auf und ab zwischen den Bambus”Stäbchen” laufen, die sind nicht wirklich haltbar (wenn man mit viel Druck filzt – vielleicht sollteich mehr mit heißem Wasser und Liebe arbeiten??? hmmm …). Besonders leicht zerlegen sich die Fäden in Sushi-Matten. Inzwischen verwende ich Bambusrollos daher nur noch, wenn wirklich nötig – und dadurch halten sie dann auch länger.

    1. Nitschmann Corinna

      Danke, Ulrike! Ich kann mir auch vorstellen, dass es Unterschiede zwischen den Rollos gibt. Meins ist seit min. 15 Jahren im Einsatz und erst in den letzten 2 Jahren fingen die Fäden an zu zerreissen, es wird aber noch dauern, bis ich es nicht mehr verwenden kann. Und was für eine Freude, dass ich es dann auch auf dem Kompost schmeissen oder ind Lagerfeuer legen kann. 🙂

  4. Silvia

    Hallo Corinna, vielen Dank für deine ausführliche Info.
    Mit kreativen Grüßen Silvia

    1. Nitschmann Corinna

      Freut mich, wenn etwas nutzbares zu lesen war. 🙂

  5. Marion Pfaff

    Hallo Corinna, vielen Dank für die ausführliche Info. Ein Tipp noch von mir. Die schönen alten Waschbretter aus Zinkblech und Holz, oder nur aus Holz und Glas sind zum walken auch ganz toll. Gibt es in verschiedenen Größen. Ich arbeite gerne damit. Mit Bambusrollos habe ich auch die gleichen Erfahrungen gemacht. Sie lösen sich sehr schnell auf. Vor Gebrauch mal die Anfangs(End)fäden festkleben.

    1. Nitschmann Corinna

      Oh, ja, die herrlichen Waschbretter. Ich stelle das auch gleich in den Beitrag, ich habe ja auch eins und jetzt fast vergessen. Womöglich, weil ich meist etwas größer filzen. Aber zum Walken kann man es ja auch mit zusammengefaltetem Filz nehmen. Danke, Marion!

  6. Lucky

    Hallo Corinna,deine plastikfreien Alternativen brauche ich zum Teil auch, ich gestehe aber,dass ich nach wie vor mit Malerfolie filze.Ich bin aber immer noch an meiner ersten Rolle(wie lange filze ich nun schon?????)Ich trockne die Folie immer wieder,die kann man unendlich lange wieder benützen. Für Schablonen habe ich auch schon aus Abfallkontainern bei Baustellen gute Stücke Trittschallfolie gefunden.Das ist dann sozusagen Recycling,das Plastik hat dann wenigstens noch eine Verwendung bevor es endgültig im Abfall landet.Ich schmeisse die Schablonen auch nicht jedesmal weg,die kann man ja auch mehrmals verwenden.Bei uns wird Plastik als separater Abfall gesammelt und recyclet.
    Ja,aber natürlich finde ich deine Anregung zum plastikfreien filzen gut!!!!
    Liebe Grüsse Lucky
    PS:Ich bin immer noch irgendwie aus dem Forum ausgesperrt?????

    1. Nitschmann Corinna

      Ich bin absolut für derartiges Recycling!
      Timea schreibt dir in Forumsache.

  7. Geli

    Liebe Corinna, ich bin ganz bei dir. Einen Großteil deiner Ideen finde ich richtig toll. Ich glaube, dass Leute mit einer Affinität zum Filzen Und ähnlichen Tätigkeiten durchaus auf die Umwelt Obacht geben. Als Output unserer Arbeit/unseres Hobbys entstehen ja in der Regel auch Sachen, die langlebig und somit auch nachhaltig sind. Auch bei den Farben hat sich in den letzten Jahren viel getan.
    Mit diesen Bambusrollos ist es meiner Meinung nach so eine Sache. Der Bambus wächst ja auch nicht bei uns ums Eck. Hat für mich den gleichen Wert wie Bio-Trauben aus Brasilien.
    Kann man haben, muss man aber nicht.
    Mit den Filzformen aus Pappe kann ich mich persönlich nicht anfreunden. Da diese Schablonen ja in der Regel mehrfach genutzt werden, gibt es für mich (auch das ist wieder meine persönliche Meinung) zu recyceltem Kunststoffmaterial erst mal keine Alternative. Wo ich noch etwas ratlos bin: Wasser- und Energieverbrauch beim Filzen und Nachbearbeiten. Das ist schon eine richtige Hausnummer. LG Angelika

    1. Nitschmann Corinna

      Danke Angelika, ja, die verwendete Energie ist eine weitere Frage. Ich filzte schon mal im Garten, wo das heiße Wasser im Kessel über einem kleinen Feuer entstand. Aber darauf kann man ja oft nicht zurück greifen und dadurch wird das Filzen ja auch ein anderer Akt, wenn man mit Feuerlegen anfangen muss.
      In der Mongolei wurde traditionell ohne viel Wasser, ohne Seife gefilzt. Dafür mit Urin. Und schon garnicht war das Wasser aufgewärmt worden.

      “Slow filzen” -nach ähnlichem Lebensmuster heutzutage- könnte/sollte es schon geben. Vielleicht haben immer mehr Leute Lust dazu, wenn man sowieso einen überladenen Kopf hat.

    2. Doris

      Hallo ihr Lieben,
      zuerst danke Corinna für die Ausführung deiner Ideen.
      Als Schablone nehme ich schon immer von IKEA die Schubladenfolie, weil ich mit Pappe überhaupt nicht klar komme. Allerdings verwende ich sie ewig, schneide eine alte zurecht wenn ich eine andere Form brauche oder klebe Stücke wieder aneinander. Warum man mit Malerfolie oder Gitterstoff arbeitet, habe ich noch nie verstanden, ich WILL die Wolle SPÜREN. Klar dauert es länger, aber ganz sanft anfangen, das ist Meditation!!! Beim Luftausdrücken mach ich Seife an die Hände und klöpfel, dann bleibt die Wolle nicht an den Händen kleben. Zum Rollen/Walken nehm ich selten was und wenn, dann ein Frotteehandtuch.
      Zum Thema Wasser und Strom, ich fange meist mit kaltem Wasser an und nehme nur zum Walken heißes. Dauert vielleicht länger aber es geht. Kleine dünne Teile manchmal nur mit kaltem. Das Wasser schütte ich auch nicht weg, ich sammelte es und verwende es noch paar Mal.
      Für mich hat filzen auch was Meditatives, deshalb darf es gerne etwas länger dauern und somit mit weniger Kunststoff und Ressourcen. Es geht, versucht es!
      LG Doris

      1. Nitschmann Corinna

        Danke, Doris, du arbeitest ja wirklich vorbildlich. 🙂

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